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Auch Cannabis-Patientinnen und -Patienten aus dem Tessin beginnen, ihre Geschichten in den Medien zu erzählen

Ein aktueller Artikel aus dem Tessin macht sichtbar, wie schwierig die Situation für viele Cannabis-Patientinnen und -Patienten in der Schweiz weiterhin ist. Obwohl Cannabis in der Medizin seit 2022 legal verschrieben werden darf, kämpfen Betroffene noch immer mit grossem Stigma, mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz und erheblichen Problemen bei der Kostenübernahme durch die Krankenkassen.

Der Artikel aus dem Tessin erzählt unter anderem die Geschichte einer Patientin mit Multipler Sklerose aus dem Raum Bellinzona. Sie berichtet, dass Cannabis ihr geholfen habe, ihre Beschwerden besser zu kontrollieren und ihren Alltag zu bewältigen. Die Therapie wurde zunächst von der Krankenkasse übernommen. Später wurde die Kostenübernahme jedoch plötzlich gestoppt.

Die Patientin sagt:
«Ich habe nie zum Rausch oder aus Vergnügen konsumiert. Aber so zwingen sie mich dazu, mich an Dealer zu wenden.»

Die Aussage zeigt eindrücklich die absurde Situation vieler Betroffener: Obwohl Cannabis legal verschrieben wird und medizinisch hilft, geraten Patientinnen und Patienten durch fehlende Unterstützung der Krankenkassen unter enormen Druck.

Im Artikel kommt auch der Patient Emanuele Barbera zu Wort, der offen über seine Situation spricht. Beide Geschichten zeigen, wie belastend die aktuelle Situation für Betroffene geworden ist. Besonders dramatisch sind die Rückforderungen der Krankenkassen. Teilweise müssen Patientinnen und Patienten plötzlich sehr hohe Beträge zurückzahlen, obwohl die Therapie zuvor bewilligt und bezahlt wurde.

Diese Rückforderungen lösen bei vielen Betroffenen enormen psychischen Stress aus. Viele haben Angst, ihre Behandlung zu verlieren oder finanziell in grosse Schwierigkeiten zu geraten. Für chronisch kranke Menschen bedeutet diese Unsicherheit oft eine zusätzliche massive Belastung im Alltag.

Auch der Tessiner Arzt Dr. Giuseppe Plebani, der sich mit Cannabinoiden beschäftigt, weist im Artikel darauf hin, wie problematisch diese Entwicklung ist. Er erklärt, dass Patientinnen und Patienten dadurch auf den Schwarzmarkt gedrängt werden. Dort kursieren teilweise verunreinigte oder gefährliche Produkte, die mit synthetischem THC, Benzodiazepinen oder sogar Fentanyl versetzt sein können. Genau dies sollte bei einer medizinisch begleiteten Therapie eigentlich verhindert werden.

Diese Problematik betrifft nicht nur das Tessin, sondern die ganze Schweiz. Als Verein MEDCAN erhalten wir regelmässig ähnliche Rückmeldungen aus allen Regionen des Landes. Trotzdem zeigt der Artikel besonders eindrücklich, wie schwierig die Situation für Betroffene im Tessin weiterhin ist. Gerade im Tessin scheint das Stigma rund um Cannabis in der Medizin besonders gross zu sein. Viele Betroffene trauen sich kaum, offen über ihre Therapie zu sprechen, weil Cannabis gesellschaftlich noch immer stark tabuisiert wird und teilweise sehr konservative Ansichten herrschen.

Umso wichtiger und mutiger ist es, wenn Betroffene beginnen, öffentlich ihre Geschichten zu erzählen. Persönliche Erfahrungen helfen dabei, anderen Menschen zu zeigen, wie Cannabis in der Medizin helfen kann und welche Realität viele chronisch kranke Menschen täglich erleben.

Als Verein MEDCAN veröffentlichen wir regelmässig Geschichten unserer Mitglieder, um aufzuklären, Vorurteile abzubauen und das Stigma rund um Cannabis in der Medizin langfristig zu verändern.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier:

Tio.ch – «Mai fumato per sballo o divertimento. Ma così mi costringono a rivolgermi agli spacciatori»