Autofahren und Cannabis: Warum Forschung dringend nötig ist
Warum diese Studie so wichtig ist
In der Schweiz – wie auch in vielen anderen Ländern – gibt es einen gesetzlichen THC-Grenzwert im Blut. Wird dieser überschritten, gilt eine Person als fahruntauglich. Das Problem: Dieser Wert sagt nur sehr begrenzt etwas über die tatsächliche Beeinträchtigung aus.
THC (Tetrahydrocannabinol), der psychoaktive Wirkstoff in Cannabis, wirkt nicht linear und nicht kurzfristig berechenbar wie Alkohol. Trotzdem wird oft so getan, als ließe sich beides gleich behandeln. Genau dieses wissenschaftliche Dilemma führt zu Unsicherheiten, ungerechten Situationen und rechtlichen Problemen.
Die neue Fahrstudie soll helfen, endlich reale Daten zum tatsächlichen Fahrverhalten unter Cannabiseinfluss zu gewinnen – unter kontrollierten und sicheren Bedingungen.
Das Kernproblem: THC ist nicht Alkohol
Der entscheidende Unterschied zwischen Alkohol und Cannabis liegt in der Art, wie die Substanzen im Körper verarbeitet werden.
Alkohol
- wasserlöslich
- verteilt sich gleichmässig im Körperwasser
- wird relativ konstant über die Leber abgebaut
- Blutwert sinkt berechenbar mit der Zeit
➡️ Der Blutalkoholwert korreliert relativ gut mit der Beeinträchtigung
THC
- fettlöslich
- lagert sich im Fettgewebe, in Organen und im Gehirn ab
- wird langsam wieder ins Blut abgegeben
- kann noch Tage nach dem Konsum im Blut nachweisbar sein – ohne akute Wirkung
- Abbauprodukte sind sogar Wochen im Urin nachweisbar
Das bedeutet:
Eine Person kann nüchtern und fahrfähig sein – und trotzdem einen THC-Blutwert über dem gesetzlichen Grenzwert haben.
Der gemessene Wert sagt also oft mehr über früheren Konsum als über aktuelle Fahruntauglichkeit aus. Genau hier liegt die wissenschaftliche und rechtliche Schieflage.
Warum das alle betrifft – nicht nur Freizeitkonsumierende
Diese Problematik ist nicht nur für Personen relevant, die Cannabis im Freizeitkontext konsumieren. Sie betrifft auch viele Patientinnen und Patienten, die Cannabis im Rahmen einer Therapie einsetzen. Gerade sie sind auf klare, faire und wissenschaftlich fundierte Regelungen angewiesen.
Ohne verlässliche Messmethoden bleibt die Rechtslage unsicher. Ein Blutwert allein reicht nicht aus, um echte Fahruntauglichkeit festzustellen. Was fehlt, sind wirkungsbasierte Beurteilungen – also Systeme, die zeigen, ob jemand tatsächlich beeinträchtigt ist.
Blick in die Zukunft: Technik statt starrer Grenzwerte
Langfristig braucht es Lösungen, die ähnlich funktionieren wie ein Atemalkoholtest – nur angepasst an Cannabis. Also Systeme oder Testverfahren, die anzeigen:
👉 Ist eine Person im Moment der Kontrolle fahrfähig oder nicht?
Genau dafür braucht es Grundlagenforschung wie diese Studie. Sie kann helfen zu verstehen, welche Fahrparameter sich unter THC wirklich verändern und welche nicht. Die Schweiz hat hier die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen und international wichtige wissenschaftliche Beiträge zu leisten.
Jetzt mithelfen, damit Regelungen fairer werden
Damit zukünftige Gesetze auf realen Daten und nicht auf Annahmen beruhen, braucht es Menschen, die bereit sind, an dieser Forschung teilzunehmen. Jede einzelne Teilnahme hilft, das Thema differenzierter, gerechter und sicherer zu gestalten.
Wer die Möglichkeit hat und die Voraussetzungen erfüllt, kann mit dieser Studie einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit und zu einer wissenschaftlich fundierten Drogenpolitik leisten.
Jetzt informieren und Kontakt aufnehmen:
https://im.ethz.ch/revelio.html
Die Studie im Überblick
Studienleitung:
Prof. Dr. Wolfgang Weinmann (Universität Bern)
in Kooperation mit
Prof. Dr. Elgar Fleisch (ETH Zürich) und
Prof. Dr. Felix Wortmann (Universität St. Gallen)
Wer kann teilnehmen?
Gesucht werden Personen, die:
- einen definitiven Führerausweis Kat. B besitzen
- regelmässig Auto fahren
- mehrmals pro Monat Cannabis konsumieren (Freizeitkonsum)
Was machen die Teilnehmenden?
Die Studie untersucht das Fahrverhalten:
- mit Cannabiseinfluss (nach dem Rauchen eines standardisierten Joints mit 18 % THC / < 1 % CBD)
- ohne Cannabiseinfluss
Gefahren wird auf einer abgesperrten Teststrecke unter sicheren Bedingungen. Eine Gruppe dient als Referenz und erhält kein Cannabis. Die Zuteilung erfolgt zufällig.
Zeitaufwand
- Telefongespräch zur Abklärung der Eignung (ca. 30 Min.)
- 1. Termin: Institut für Rechtsmedizin Bern (ca. 2 Std.)
- 2. Termin: Testtag auf dem Waffenplatz Thun (ca. 8,5 Std.)
Entschädigung
- Bis zu 250 CHF Aufwandsentschädigung
- Verpflegung am Studientag
- Transport zum Bahnhof Thun bei Bedarf
Kontakt:
Christoph Karl Heck,
Wenn du Cannabis konsumierst, die genannten Kriterien erfüllst und dir eine Teilnahme vorstellen kannst, würden wir uns sehr freuen, wenn du diese Studie unterstützt. Solche wissenschaftlich fundierten Daten sind enorm wichtig, um das tatsächliche Fahrverhalten realistisch beurteilen zu können. Nur mit soliden Studien wie dieser besteht langfristig die Chance, bestehende Regelungen weiterzuentwickeln und sachlich zu verbessern.