Cannabis-Legalisierung: Bundesrat startet Vernehmlassung
Die wichtigsten Punkte des Entwurfs:
- Besitz: erlaubt sind 5 Gramm THC in der Öffentlichkeit und 75 Gramm THC zuhause.
- Eigenanbau: bis zu 3 Pflanzen pro erwachsene Person.
- Gewerblicher Anbau: Bewilligung durch den Bund, Kleinlizenzen bis 200 m² möglich.
- Verkauf: ausschliesslich über lizenzierte, nicht gewinnorientierte Shops.
- THC-Limiten: 20 % bei Blüten, 60 % bei Extrakten; Zusätze wie Zucker, Aromen, Nikotin oder Alkohol sind verboten.
- Verpackung: neutral, kindersicher, mit Warnhinweisen.
- Steuer: Lenkungsabgabe abhängig vom THC-Gehalt.
Die Vernehmlassung läuft bis zum 1. Dezember 2025, die parlamentarische Debatte ist für Frühling/Sommer 2026 vorgesehen. MEDCAN wurde offiziell eingeladen, an der Vernehmlassung teilzunehmen und die Perspektive der Patient:innen einzubringen.
Warum wir die Legalisierung unterstützen
Für MEDCAN ist klar: Die Legalisierung ist ein wichtiger Schritt für die Schweiz. Wir begrüssen die Initiative des Bundesrats ausdrücklich, weil:
- Jugendschutz und Gesundheit im Zentrum stehen. Ein regulierter Markt schützt junge Menschen besser als ein unkontrollierter Schwarzmarkt.
- Klare Regeln für Anbau, Verkauf und Konsum geschaffen werden.
- Entkriminalisierung endlich Realität wird: Erwachsene, die konsumieren, werden nicht länger strafrechtlich verfolgt.
- Schwarzmarkt und unsichere Produkte zurückgedrängt werden – was auch den Konsument:innen und der Gesellschaft zugutekommt.
Es ist uns wichtig, dass auch der Freizeitkonsum reguliert wird. Nur so können Missbrauch und Risiken verringert werden. Ein legaler Markt ist der beste Schutz – sowohl für die Jugend als auch für die Gesellschaft insgesamt.
Zwei verschiedene Gesetze für die Zukunft
Mit der Legalisierung wird es künftig zwei gesetzliche Grundlagen geben:
- Ein Gesetz für die medizinische Anwendung von Cannabis, das unverändert bestehen bleibt.
- Ein neues Gesetz für den Freizeitkonsum, das den Zugang für Erwachsene klar regelt.
Für MEDCAN ist wichtig zu betonen, dass es eine klare Trennung zwischen medizinischer Anwendung und Freizeitkonsum braucht. Patientinnen mit schweren Diagnosen, die Cannabis nutzen, um ihren Alltag zu bewältigen, dürfen nicht gleichgesetzt werden mit Personen, die Cannabis aus Lifestyle- oder Wellness-Gründen konsumieren. Eine ärztliche Verschreibung ist ein klares Zeichen dafür, dass ein medizinischer Grund vorliegt – und in diesem Fall handelt es sich um ein Heilmittel und nicht um ein Genussmittel.
Wichtiges Gesetz für die Patient:innen
Seit 2022 können medizinische Fachpersonen Cannabis verschreiben. Für viele Betroffene mit Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Epilepsie, Krebs oder chronischen Schmerzen ist Cannabis eine unverzichtbare Therapieoption. Doch:
- Krankenkassen verweigern oft die Kostenübernahme. Patient:innen tragen die Last allein – ein unhaltbarer Zustand.
- Eigenanbau als Notlösung: Wir möchten nicht, dass Patient:innen ihre Medikamente selbst anbauen müssen. Doch solange Krankenkassen keine Kosten übernehmen, darf diese Option nicht verboten bleiben – sonst droht eine Zwei-Klassen-Medizin.
- Rechtliche Unsicherheit: Viele Betroffene sind unsicher, ob die Legalisierung ihre Situation verbessert oder verschlechtert. Hier braucht es Garantien.
Unsere Forderungen
- Klare Trennung von Medizin und Freizeitkonsum
Medizinisches Cannabis muss als Heilmittel behandelt werden – mit denselben Standards wie andere Medikamente. - Kostenübernahme durch Krankenkassen
Patient:innen, die Cannabis medizinisch verwenden, dürfen nicht länger finanziell diskriminiert werden. - Schutz vor Zwei-Klassen-Medizin
Zugang zu medizinischem Cannabis darf nicht vom Einkommen abhängen. - Eigenanbau als Hilfe zur Selbsthilfe
Bis Krankenkassen ihre Verantwortung übernehmen, muss Eigenanbau möglich sein.
Die Legalisierung ist eine historische Chance für die Schweiz. Sie schafft Ordnung, Sicherheit und schützt die Jugend – und sie bietet die Möglichkeit, jahrzehntelange Fehlentwicklungen zu korrigieren. Für MEDCAN ist entscheidend, dass dabei die Patient:innen nicht vergessen gehen. Wir werden uns aktiv an der Vernehmlassung beteiligen und unsere Stimme klar einbringen – damit Cannabis in der Schweiz fair, sicher und menschlich reguliert wird.