CBD unter Druck: EU stuft Cannabidiol als reproduktionstoxisch ein
Wissenschaftlich umstrittene Grundlage
Die Diskussion basiert hauptsächlich auf Tierstudien mit sehr hohen CBD-Dosierungen. Viele Fachpersonen kritisieren deshalb, dass diese Daten kaum mit dem realen Konsum von CBD-Produkten vergleichbar seien. Trotzdem könnte die Einstufung weitreichende Folgen haben. Sobald eine Substanz offiziell als reproduktionstoxisch gilt, können strengere Warnhinweise, Einschränkungen oder neue regulatorische Hürden folgen. Kritiker befürchten deshalb, dass hier das Vorsorgeprinzip sehr streng ausgelegt wird, obwohl die tatsächliche Relevanz für Menschen im Alltag weiterhin umstritten bleibt.
Was könnte das für Patientinnen und Patienten bedeuten?
Sollte die Einstufung in dieser Form übernommen werden, könnte dies massive Auswirkungen auf den Zugang zu CBD-Produkten haben. Besonders betroffen wären Vollspektrum-Produkte mit geringem THC-Anteil, die viele Menschen täglich in niedrigen Dosierungen einsetzen – beispielsweise bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Stress, Angstzuständen, Entzündungen oder neurologischen Erkrankungen. Im schlimmsten Fall könnten gewisse Produkte langfristig aus dem freien Verkauf verschwinden und nur noch über Apotheken oder mit ärztlicher Verschreibung erhältlich sein. Für viele Betroffene würde das höhere Kosten, weniger Auswahl und einen deutlich erschwerten Zugang bedeuten.
Warum verschwinden bereits heute gewisse CBD-Öle?
Vielleicht ist einigen bereits aufgefallen, dass man in der Schweiz seit einiger Zeit gewisse CBD-Vollspektrum-Öle nicht mehr bestellen kann. Das hat aktuell noch nichts mit der neuen EU-Einstufung von CBD als reproduktionstoxisch zu tun. Der Grund liegt vielmehr bei der sogenannten Novel-Food-Regelung.
CBD-Produkte zur oralen Einnahme gelten in der Schweiz und der EU rechtlich als «Novel Food», also als neuartige Lebensmittel. Für solche Produkte braucht es eine offizielle Zulassung, bevor sie verkauft werden dürfen. Genau diese Zulassungen fehlen bei vielen CBD-Ölen bis heute. Dadurch gelten zahlreiche Produkte rechtlich als nicht verkehrsfähig.
Bis anhin haben viele Produzentinnen und Produzenten ihre CBD-Öle deshalb offiziell als «Chemikalien» verkauft, die rechtlich nicht für die orale Einnahme bestimmt waren. In der Praxis wurden diese Produkte jedoch von den meisten Konsumierenden trotzdem oral eingenommen. Diese Grauzone wurde über Jahre weitgehend toleriert oder ignoriert. Genau hier greifen die Behörden nun zunehmend stärker durch.
Die aktuellen Verkaufsstopps haben somit vor allem mit Lebensmittelrecht zu tun und nicht direkt mit der neuen Reproduktionstoxizitäts-Debatte. Dennoch wächst die Sorge, dass die neue EU-Einstufung den Druck auf CBD-Produkte zusätzlich erhöhen könnte.
Kleine CBD-Firmen geraten zunehmend unter Druck
Viele Patientinnen und Patienten beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Denn oft waren gerade kleine CBD-Firmen mit hochwertigen Vollspektrum-Produkten und regionaler Herstellung die bevorzugten Lieferanten. Viele unserer Mitglieder haben mit diesen CBD-Tropfen sehr gute Erfahrungen gemacht und benötigen dadurch teilweise gar kein Betäubungsmittel-Rezept für THC-haltige Produkte.
Genau diese CBD-Öle verschwinden nun aber zunehmend vom Markt oder könnten künftig nur noch über Apotheken erhältlich sein. Damit würden sie zusätzlich verteuert und für viele Menschen schwieriger zugänglich werden. Das ist aus Sicht des Vereins MEDCAN absolut nicht sinnvoll.
Natürlich wollen auch wir ganz klar, dass nur saubere, kontrollierte und qualitativ hochwertige Produkte auf dem Markt erhältlich sind. Gleichzeitig müssen diese Produkte aber auch bezahlbar und niederschwellig zugänglich bleiben. Genau darin sollte das eigentliche Ziel einer sinnvollen Regulierung liegen.
Zwischen Verbraucherschutz und Überregulierung
Natürlich müssen mögliche Risiken ernst genommen und transparent kommuniziert werden. Gerade in der Schwangerschaft oder Stillzeit sollte man grundsätzlich vorsichtig mit vielen Substanzen umgehen – auch mit Cannabisprodukten. Gleichzeitig stellt sich für viele Betroffene die Frage, ob Cannabisprodukte zunehmend strenger behandelt werden als zahlreiche andere Medikamente mit teils deutlich stärkeren Nebenwirkungen. Viele Patienten erleben diese Entwicklung deshalb mit grosser Sorge, insbesondere weil sie mit CBD und Cannabisprodukten oft gute Erfahrungen gemacht haben.
MEDCAN beobachtet die Entwicklung genau
Als Patientenorganisation verfolgt MEDCAN die aktuellen Entwicklungen aufmerksam. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Menschen einen niederschwelligen, bezahlbaren und sicheren Zugang zu Cannabisprodukten behalten – insbesondere dann, wenn diese ihre Lebensqualität verbessern und ihnen im Alltag helfen.
Hast du Probleme, zu deinen CBD-Tropfen zu kommen, die dir bisher immer geholfen haben? Dann melde dich gerne