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Jahresabschlussbrief der Präsidentin

Liebe Mitglieder, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Mitpatientinnen und Mitpatienten, wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, erfüllt mich eine tiefe Dankbarkeit und Stolz. Stolz darauf, was wir gemeinsam erreicht haben. Dankbarkeit dafür, was wir als Gemeinschaft geworden sind – ein Ort, wo man Informationen findet, Unterstützung und Verständnis.

Meine persönliche Reise als Präsidentin

Seit November 2015 darf ich für euch als Präsidentin tätig sein. Diese Aufgabe begleitet mich täglich und sie bedeutet mir sehr viel, denn ich weiss selbst, wie entscheidend der Zugang zu Cannabis als Medikament für das eigene Leben sein kann. Für viele von uns bedeutet es weniger Schmerzen, besseren Schlaf, eine stabilere Psyche, weniger Entzündungen – und für einige sogar die Möglichkeit, wieder am Alltag, am Berufsleben, an Beziehungen teilzunehmen.

Ich bin eine der wenigen Patientinnen in der Schweiz, die eine Kostengutsprache der Unfallversicherung erhalten hat. Das Bundesamt für Gesundheit sagt, dass nur etwa 11 % aller Menschen, die Cannabis medizinisch verschrieben haben, Unterstützung durch Krankenkassen oder Unfallversicherungen bekommen. Elf Prozent. Das ist erschreckend wenig – und es zeigt, wie gross der Handlungsbedarf nach wie vor ist.

Dabei wird Cannabis seit dem 1. August 2022 ganz offiziell wie ein Opiat verschrieben. Die Wirkung ist gut dokumentiert, die Risiken sind moderat und im Gegensatz zu Opiaten besteht kein Abhängigkeitsrisiko. Und doch erleben wir täglich, dass Patientinnen und Patienten mit erheblichen Hürden kämpfen müssen. Das Stigma ist immer noch gross.

Viele Betroffene müssen ihr Medikament sogar vollständig aus der eigenen Tasche bezahlen – oft mehrere Hundert Franken pro Monat oder deutlich mehr. Für chronisch kranke Menschen, von denen viele nicht (mehr) arbeiten können, ist das eine enorme finanzielle Belastung. Eine Belastung, die niemand tragen sollte, wenn es um ein ärztlich verschriebenes, wirksames Medikament geht.

Die Realität der Betroffenen

Ich beantworte inzwischen mehrmals pro Woche E-Mails aus der ganzen Schweiz. Viele Menschen suchen nach Informationen, nach Unterstützung, nach Orientierung. Immer wieder begegne ich denselben Herausforderungen: Menschen finden keine Ärztin oder keinen Arzt, der bereit ist, Cannabis zu verschreiben. Sie erhalten keine Unterstützung von der Krankenkasse. Sie werden von der Hausverwaltung oder Nachbarinnen skeptisch beäugt, weil sie Cannabis medizinisch vaporisieren. Und viele kämpfen mit Vorurteilen, obwohl sie ein ärztlich verordnetes Medikament einnehmen.

Und trotzdem erlebe ich auch Fortschritt, Hoffnung und Veränderungen. Immer mehr Apotheken beschäftigen sich mit dem Thema. Immer mehr medizinische Fachpersonen beginnen, sich zu interessieren und ihre Haltung zu öffnen. Die Preise stabilisieren sich. Das System ist nicht perfekt, aber im Vergleich zu anderen europäischen Ländern haben wir in der Schweiz viel erreicht.

Warum der Verein so wichtig ist

Ein zentraler Teil unserer Arbeit ist es, Patientinnen und Patienten eine Stimme zu geben und über die medizinische Anwendung von Cannabis aufzuklären. Wir erzählen Geschichten, machen Schicksale sichtbar, zeigen die Wirkung von medizinischem Cannabis. Wir informieren, vernetzen, begleiten und geben Halt – genau dort, wo sonst oft niemand mehr da ist.

Dieses Jahr hat uns besonders viel Dankbarkeit erreicht. Menschen haben uns geschrieben, dass sie sich bei uns ernst genommen fühlen. Dass sie durch unseren Telegram-Kanal Informationen finden und nicht mehr alleine sind. Dass unser Online-Stammtisch ihnen hilft, Wissen zu teilen, Mut zu fassen und Hoffnung zu behalten. Unsere ersten «We, the Patients»-Events haben gezeigt, wie stark wir sind, wenn wir zusammenkommen – wie sehr wir uns gegenseitig unterstützen und stärken können.

Genau das ist der Kern unseres Vereins:
Ein Verein von Patientinnen für Patientinnen.
Ein Ort, an dem wir uns gegenseitig stärken.
Eine Gemeinschaft, die wächst und gehört wird.

Der Weg geht weiter – gemeinsam

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Cannabis als Medikament anerkannt wird. Dass die Kostenübernahme fair geregelt wird. Dass niemand mehr kämpfen muss, um Zugang zu seiner Therapie zu erhalten. Dass Vorurteile verschwinden und Verständnis wächst. Dass medizinisches Cannabis den Platz bekommt, den es verdient – nicht nur in der Gesetzgebung, sondern in der Realität der Menschen.

Diesen Weg können wir nur gemeinsam gehen. Mit unseren Geschichten, unserer Erfahrung, unserer Stärke und unserer Entschlossenheit.

Dankbarkeit zum Jahresende

Jetzt, da Weihnachten näher rückt und ein neues Jahr beginnt, möchte ich mich von Herzen bedanken:

  • bei allen, die uns unterstützen
  • bei allen, die uns folgen, zuhören und weiterempfehlen
  • bei allen, die trotz Krankheit für die medizinische Anwendung von Cannabis kämpfen
  •  bei allen, die unsere Arbeit möglich machen
  • bei allen Mitgliedern, die ihre Mitgliedschaft erneuern
  • und bei allen, die uns mit einer Spende helfen, weiterzukämpfen

Im Januar verschicken wir wieder unseren Brief an alle Mitglieder, und wir freuen uns sehr, wenn ihr auch im nächsten Jahr Teil unseres Vereins bleibt. Eure Mitgliedschaft und eure Unterstützung machen es möglich, dass wir weiter informieren, aufklären, politisch mitreden und Patientinnen eine starke Stimme geben können.

Gemeinsam schenken wir diesem Thema den Raum, den es verdient.
Gemeinsam machen wir Cannabis als Medizin sichtbar und respektiert.
Ohne euch gäbe es diesen Verein nicht.

Ich wünsche euch eine friedliche Weihnachtszeit, liebevolle Momente, Zuversicht, Gesundheit und ein kraftvolles neues Jahr.