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Jahresbericht 2025

Das vergangene Jahr war für unseren Verein ein intensives Jahr. Die medizinische Anwendung von Cannabis entwickelt sich in der Schweiz weiter, gleichzeitig bestehen weiterhin grosse Herausforderungen für Patientinnen und Patienten. Als Verein von Betroffenen für Betroffene setzen wir uns dafür ein, den Zugang zu dieser Therapieform zu verbessern und Wissen rund um die medizinische Anwendung von Cannabis zu verbreiten.

Entwicklung der medizinischen Cannabisversorgung in der Schweiz

Seit 2022 können Cannabispräparate in der Schweiz auf ärztliche Verschreibung abgegeben werden. Damit wurde ein wichtiger Schritt hin zu einer regulierten medizinischen Versorgung gemacht. In den letzten Jahren hat sich einiges bewegt: Immer mehr medizinische Fachpersonen sammeln Erfahrungen mit Cannabistherapien und auch die Versorgung über spezialisierte Apotheken hat sich weiterentwickelt.

Trotz dieser Fortschritte bleibt der Zugang für viele Betroffene schwierig. Noch immer ist es oft nicht einfach, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, die bereit ist, eine Therapie mit Cannabis zu begleiten. Hinzu kommt, dass nur ein kleiner Teil der Betroffenen eine Kostenübernahme durch Krankenkassen oder Versicherungen erhält. Laut Daten aus der MECANNA-Studie im Auftrag des Bundes erhalten derzeit nur rund 11 % der Betroffenen eine Kostenbeteiligung. Für viele bleibt die Behandlung deshalb finanziell sehr belastend.

Gleichzeitig ist es wichtig festzuhalten, dass die Schweiz im europäischen Vergleich dennoch eine relativ fortschrittliche Regelung hat. Menschen mit entsprechender Verschreibung können Cannabisblüten und Cannabisextrakte legal über Apotheken beziehen – eine Möglichkeit, die in vielen anderen europäischen Ländern noch immer nicht existiert.

Beratung, Information und Austausch

Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist die Unterstützung von Betroffenen und deren Angehörigen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Anfragen deutlich gestiegen. Inzwischen erhalten wir wöchentlich mehrere E-Mails von Menschen, die sich an unseren Verein wenden – und die Zahl nimmt weiter zu.

Viele dieser Anfragen kommen von Betroffenen, die nicht wissen, wie sie in der Schweiz zu einer Verschreibung gelangen können, oder die Schwierigkeiten haben, eine medizinische Fachperson zu finden, die sie bei einer Cannabistherapie unterstützt. Andere fragen nach Erfahrungen mit bestimmten Produkten, nach spezialisierten Apotheken oder nach Möglichkeiten der Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Auch das Thema medizinisches Cannabis und Autofahren ist regelmäßig ein Thema.

Wir versuchen, alle diese Anfragen so gut wie möglich zu beantworten und eine erste Orientierung zu geben. Diese Beratung erfolgt inzwischen in mehreren Sprachen und ist für viele Menschen eine wichtige Unterstützung. Oft sind wir die erste Stelle, wo sie sinnvolle Informationen erhalten.

Ein wichtiges Instrument für Austausch und Information ist zudem unser Telegram-Kanal. Dort können sich Betroffene direkt miteinander austauschen und Erfahrungen teilen. Gleichzeitig stellen wir dort wichtige Informationen zur Verfügung, unter anderem:

– Listen von spezialisierten Apotheken
– Informationen zu Verschreibungsmöglichkeiten
– Produkt- und Preisvergleiche
– praktische Erfahrungen aus der Anwendung

Der Austausch untereinander ist für viele eine wichtige Unterstützung im Alltag.

Veranstaltungen – «We, The Patients»

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit im letzten Jahr waren Begegnungen und Veranstaltungen für Betroffene. Unter dem Titel «We, The Patients» organisieren wir Veranstaltungen von Patienten für Patienten.

Im vergangenen Jahr konnten wir drei solcher Events durchführen:
– im März in Zürich
– im Mai in Zürich
– im Oktober in Bern

Diese Veranstaltungen bieten Betroffenen die Möglichkeit, sich persönlich zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und Fragen rund um die medizinische Anwendung von Cannabis zu stellen. Es gibt Erfahrungsberichte von Betroffenen sowie medizinische Fachvorträge, die speziell auf die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten ausgerichtet sind. Gleichzeitig bleibt genügend Zeit, um sich mit den anderen Anwesenden auszutauschen.

Der direkte Austausch ist für viele wertvoll, da man dort offen über Erfahrungen, Herausforderungen und mögliche Lösungen sprechen kann.

Alle drei Veranstaltungen waren gut besucht, und der Austausch wurde von den Teilnehmenden als bereichernd erlebt. Solche Begegnungen zeigen immer wieder, wie wichtig Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung für Betroffene sind.

Weitere Informationen und Eindrücke zu diesen Veranstaltungen sind auf unserer Webseite und auf Social Media zu finden.

Politische Arbeit

Neben der direkten Unterstützung von Betroffenen engagiert sich MEDCAN auch politisch. Ein zentrales Thema bleibt weiterhin die Kostenübernahme für Cannabistherapien. Für viele Menschen entscheidet diese Frage darüber, ob eine Behandlung überhaupt möglich ist.

Im vergangenen Jahr durften wir zudem die Nationalrätin Anna Rosenwasser im Bundeshaus besuchen und mit ihr über die Situation von Menschen sprechen, die Cannabis medizinisch verwenden. Der Austausch mit politischen Vertreterinnen und Vertretern ist für uns sehr wichtig, um die Realität der Betroffenen sichtbar zu machen.

Wir versuchen weiterhin, mit verschiedenen politischen Parteien und Entscheidungsträgern im Gespräch zu bleiben. Für viele Betroffene ist es entscheidend, dass Krankenkassen Therapien mit Cannabis künftig stärker unterstützen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass die medizinische Anwendung von Cannabis langfristig sogar dazu beitragen können, die Gesundheitskosten insgesamt zu senken – beispielsweise durch weniger Einsatz anderer Medikamente oder weniger Spitalaufenthalte. Diese Perspektive könnte für viele politische Parteien zunehmend interessant, da die Gesundheitskosten immer mehr mehr steigen.

Als Verein bringen wir deshalb die Erfahrungen von Betroffenen aktiv in die politische Diskussion ein und versuchen, den Dialog zwischen Medizin, Politik und Gesellschaft zu fördern.

Politische Entwicklungen zur Regulierung des Freizeitkonsums

Im vergangenen Jahr haben wir unter anderem zum Entwurf des neuen Cannabisproduktegesetzes Stellung genommen. Dieses Gesetz soll künftig den Freizeitkonsum von Cannabis regulieren. Für uns ist dabei besonders wichtig, dass die medizinische Anwendung klar vom Freizeitbereich getrennt bleibt.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft den Eigenanbau. Wenn Patientinnen und Patienten keine Kostenübernahme für ihre Therapie erhalten, sollte zumindest eine realistische Möglichkeit bestehen, sich selbst zu versorgen.

Auch das Thema Verkehrssicherheit und Autofahren im Zusammenhang mit Cannabis bleibt aktuell. Derzeit laufen Studien zum Thema Autofahren unter Einfluss von Cannabis im Zusammenhang mit Freizeitkonsum. Für MEDCAN ist es wichtig, dass Betroffene durch neue Regelungen nicht pauschal benachteiligt werden.

CannaTrade

MEDCAN war wie jedes Jahr an der CannaTrade präsent. Dort konnten wir viele Gespräche mit Betroffenen und Interessierten führen. Viele wussten auch drei Jahre nach der Gesetzesänderung noch nicht, dass man sich Cannabis medizinisch verschreiben lassen kann. Besonders wertvoll war auch die Teilnahme an einem Podium zum Thema Cannabislegalisierung, bei dem wir die Perspektive der Betroffenen einbringen konnten.

Die nächste CannaTrade findet vom 29. bis 31. Mai 2026 in der Halle 622 in Zürich statt und feiert ihr 25-jähriges Jubiläum. Mit dem aktuellen Gesetzesentwurf zur Cannabislegalisierung wird die Messe auch international grosse Aufmerksamkeit erhalten.

Auch 2026 wird MEDCAN wieder vor Ort sein. Im sogenannten Medical Corner werden wir über die medizinische Anwendung von Cannabis informieren. Zudem werden wir am Sonntag auf der Bühne präsent sein und über die Situation von Betroffenen sowie über den heutigen Weg zu einer ärztlichen Verschreibung von Cannabis berichten.

Herzlichen Dank

Die Arbeit unseres Vereins wäre ohne die Unterstützung unserer Mitglieder nicht möglich. Viele Menschen begleiten MEDCAN seit vielen Jahren und tragen dazu bei, dass die Stimme der Betroffenen in der Schweiz gehört wird.

Wir danken allen herzlich für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung.

Franziska Quadri
Präsidentin MEDCAN
Zürich, 8. März 2025