Vier Jahre medizinisches Cannabis: Fortschritte, Hürden – und warum wir als Verein weiter kämpfen müssen
Gesetzliche Öffnung – ein wichtiger Schritt
Mit der Anpassung im August 2022 wurde ein zentraler Meilenstein erreicht: Cannabis kann seither als Betäubungsmittel – ähnlich wie ein Opiat – verschrieben werden.
Das hat den Zugang grundsätzlich erleichtert. Immer mehr Patientinnen und Patienten erhalten heute ein ärztliches Rezept und können ihre Therapie legal und kontrolliert durchführen.
Mehr Angebot, mehr Auswahl – ein sich entwickelnder Markt
Parallel zur gesetzlichen Öffnung hat sich auch das Angebot deutlich weiterentwickelt. Heute stehen verschiedene Therapieformen und Inhalte zur Verfügung:
• Cannabisblüten zur Inhalation
• Cannabisextrakte zur oralen Einnahme
• Kapseln oder Zäpfchen
• neue Formen wie inhalierbare Extrakte
Apotheken spezialisieren sich zunehmend auf diesen Bereich, und die Vielfalt nimmt weiter zu. Perspektivisch hoffen wir, dass auch weitere medizinische Darreichungsformen wie Salben, Pflaster (Patches) oder andere innovative Anwendungen ihren Weg in die Therapie finden. Gleichzeitig zeigt sich ein vorsichtig positiver Trend: Die Preise beginnen langsam zu sinken – auch wenn sie für viele Betroffene noch immer eine grosse Belastung darstellen.
Mehr Verschreibungen – aber nur seltene Kostenübernahmen
Obwohl heute deutlich mehr Menschen ein Rezept erhalten, bleibt ein zentrales Problem bestehen: Die Kosten werden nur in wenigen Fällen von der Krankenkasse übernommen. Für viele Betroffene bedeutet das eine erhebliche finanzielle Belastung. Manche sind gezwungen, auf eine wirksame Therapie zu verzichten – obwohl sie ihnen nachweislich hilft. Andere sehen sich sogar gezwungen, wieder auf den Schwarzmarkt auszuweichen. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist diese Situation langfristig weder tragbar noch sinnvoll.
Die Suche nach medizinischen Fachpersonen bleibt schwierig
Ein weiteres Hindernis ist die Suche nach geeigneten Fachpersonen. Zwar gibt es heute mehr Ärztinnen und Ärzte, die Cannabis verschreiben, doch sie sind nach wie vor schwer zu finden. Besonders in der französischsprachigen Schweiz fehlen Fachpersonen teilweise fast vollständig. Oft bleibt Betroffenen nur der Weg über die Telemedizin, weil es vor Ort schlicht niemanden gibt. Wir versuchen seit Langem, hier Verbesserungen zu erreichen und Fachpersonen zu finden – bisher mit sehr begrenztem Erfolg.
Treffen mit dem BAG und Swissmedic
Im Austausch mit dem Bundesamt für Gesundheit und Swissmedic wurde deutlich, wie die aktuelle Situation eingeschätzt wird: Die medizinische Anwendung von Cannabis gilt weiterhin als Nischenbereich. Entsprechend wird erwartet, dass sich Betroffene, Organisationen wie unsere und auch die Cannabis-Industrie aktiv einbringen, um Verbesserungen voranzutreiben. Das zeigt klar: Unser gemeinsames Engagement bleibt zentral, wenn sich die Situation nachhaltig verändern soll – und wir müssen auch weiterhin politisch Druck machen.
Autofahren und Cannabis in der Medizin – eine Grauzone
Ein besonders sensibles Thema ist die Fahreignung. Grundsätzlich gilt: Auch mit ärztlicher Verschreibung ist das Fahren unter THC-Einfluss rechtlich problematisch. In der Schweiz existieren sehr tiefe Grenzwerte, und bereits kleinste Mengen im Blut können Konsequenzen haben. Viele Patientinnen und Patienten geraten dadurch in schwierige Situationen – selbst bei korrekter medizinischer Einnahme. Hier fehlen klare und praxistaugliche Regelungen – mit spürbaren Folgen für den Alltag vieler Betroffener.
Unser Fazit: Viel erreicht – aber noch nicht am Ziel
Die Entwicklung in der Schweiz ist insgesamt positiv:
• Der Zugang wurde erleichtert
• Das Angebot wächst
• Die Preise beginnen zu sinken
• Die medizinische Akzeptanz nimmt langsam zu
Im europäischen Vergleich steht die Schweiz heute relativ gut da. Trotzdem bleibt die Realität für viele Betroffene schwierig – insbesondere wegen der fehlenden Kostenübernahme, der begrenzten Verfügbarkeit von Fachpersonen und rechtlicher Unsicherheiten im Alltag.
Gemeinsam weitergehen – jetzt ist der Moment
Das aktuelle System hat Potenzial – aber es wird nur funktionieren, wenn die Kostenübernahme durch die Krankenkassen verbessert wird. Ohne diese Grundlage bleibt die medizinische Anwendung von Cannabis für viele unzugänglich.
Als Verein von Patientinnen und Patienten setzen wir uns täglich dafür ein, genau das zu verändern: durch Aufklärung, Vernetzung und politischen Druck.
👉 Unsere Stimme muss gehört werden.
👉 Wir müssen sichtbar bleiben.
👉 Und unser Verein muss weiter bestehen.
Nur gemeinsam können wir den Zugang nachhaltig verbessern. Wenn du unsere Arbeit unterstützen möchtest – durch eine Mitgliedschaft, eine Spende oder indem du unsere Inhalte teilst – hilfst du mit, echte Veränderung möglich zu machen.