Felipe
«CBD ist so wirkungsvoll, aber die Ärzte wissen es nicht.»
Die lange Suche nach Unterstützung
Als Felipe noch ganz klein ist, verletzt er sich selbst, schläft kaum und bringt seine Mutter an den Anschlag. Dank Cannabis ist er inzwischen viel ruhiger geworden. Doch der Weg ist für die Familie noch längst nicht zu Ende.
Felipe ist gerade einmal zwei Jahre alt, als er die Diagnose Autismus erhält. Für seine Mutter Juliana beginnt damit nicht nur ein Lernprozess, sondern auch eine lange Suche nach Unterstützung. Die Kinderärztin kann ihr nur begrenzt weiterhelfen. Sie überweist Felipe an eine Neurologin, die dem Kleinkind ein Neuroleptikum verschreibt. Die Wirkungen sind bescheiden, die Nebenwirkungen enorm: Felipe beginnt, sich unkontrolliert zu bewegen und unkontrolliert laute Schreie auszustossen.
«Es war unglaublich anstrengend», erinnert sich Juliana. «Nicht nur emotional. Auch körperlich.» Die 39-Jährige leidet unter permanentem Schlafmangel. «Felipe ist alle paar Stunden erwacht und konnte dann nicht mehr einschlafen.» Dank Melatonin wird es etwas besser, aber nicht wirklich gut: Noch immer sind Felipes Nächte längst vorbei, bevor es hell wird.
Hilfe aus Brasilien
Juliana bemüht sich um einen Therapieplatz für ihren Sohn – vergeblich. «Die Warteliste war schier endlos.» Daraufhin reist sie mit Felipe in ihr Heimatland Brasilien, wo ihre Schwester lebt. Die ausgebildete Heilpädagogin hat im Vorfeld eine Intensivtherapie für ihren Neffen organisiert – auf eigene Kosten. «Wir haben gemacht, was möglich war», sagt Juliana. «Wenn du als Mutter siehst, dass dein Kind Hilfe braucht, schaust du nicht einfach tatenlos zu.»
Sie ist bereits wieder in der Schweiz, als ihre Schwester erstmals das Thema CBD ins Spiel bringt. Doch hierzulande will niemand etwas davon wissen. Glücklicherweise kennt ihre Schwester einen Arzt in São Paulo, der Erfahrung mit medizinischem Cannabis hat. Nach einer Online-Konsultation stellt er Felipe ein Rezept aus.
Epilepsie ja, Autismus nein
Mit den Cannabistropfen wird Felipe ruhiger, schläft in Kombination mit Melatonin endlich durch. Er schlägt und beisst sich nicht mehr und bricht nicht mehr scheinbar grundlos in Tränen aus. Auch verliert er deutlich an Gewicht – das Neuroleptikum hatte Heisshungerattacken bei ihrem Sohn ausgelöst. «Für uns war all das ein riesiger Fortschritt», sagt Juliana. «Weit weg von perfekt. Aber viel besser als vorher.»
Die Krankenkasse akzeptiert das in Südamerika ausgestellte Rezept nicht. Juliana und ihr Mann, der auf dem Bau arbeitet, müssen die Tropfen selbst berappen. «Wir haben keine Sekunde lang gezögert», sagt die Fachfrau Gesundheit. «Auch wenn es jeden Monat ein grosses Loch in unsere Kasse reisst.» In der Schweiz weigern sich die Ärzte, Felipe ein Rezept auszustellen. «Es hiess, CBD sei nur für Kinder mit Epilepsie anerkannt, nicht für autistische Kinder.»
Anfangs kann die Familie die Tropfen über MedCan beziehen. Doch wegen Einschränkungen beim Verkauf von CBD zur oralen Einnahme ist das inzwischen nicht mehr möglich.
Probleme in der Schule
Mit vier kommt Felipe in den Kindergarten – für seine Mutter eine grosse Hoffnung und Entlastung. Er besucht eine Kleinklasse mit nur drei Kindern. «Zunächst lief es gut», erzählt Juliana. Doch als die Klasse grösser wird, tauchen vermehrt Probleme auf. Felipe zieht sich aus, leert Wasser über dem Pult aus, wirft sein Znüni durchs Schulzimmer. «Ich kannte solche Situationen von früher», erzählt Juliana. Vermutlich sei er von den vielen Reizen in der Schule überflutet worden. «Das ist typisch für autistische Kinder.» Ende 2025 muss Felipe die Klasse verlassen.
Inzwischen kümmert sich Juliana wieder fast rund um die Uhr um ihren Sohn. Ihrem Beruf kann sie nur noch am Wochenende nachgehen. «Ich wünsche mir kein Wunder», sagt sie. «Aber ich wünsche mir jemanden, der uns begleitet. Einen Arzt, der sich auskennt. Und der uns zuhört.» Natürlich hoffe sie auch auf ein Rezept und eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse. «Ich habe das Gefühl, Naturmedizin wird in der Schweiz viel weniger ernst genommen als Schulmedizin. Dabei sehe ich jeden Tag, wie gut CBD bei Felipe wirkt.»
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Wenn Juliana über ihren Sohn spricht, klingt sie gleichzeitig erschöpft und entschlossen. Sie möchte weiterkämpfen, damit ihr Sohn weiterhin das nehmen kann, was ihm Erleichterung bringt – mit finanzieller Unterstützung und einer ärztlichen Ansprechperson in der Schweiz. «Ich lebe hier. Mein Sohn geht hier zur Schule. Ich wünsche mir, dass wir hier auch Hilfe bekommen.»