Dana
«Cannabis hat mir das Lachen zurück gegeben.»
30 Jahre lang habe ich viel Sport gemacht: Schwimmen, Joggen und Krafttraining. Später wechselte ich zum Velofahren und Inline-Skaten. Es tat meinem Körper und meiner Seele gut. Ich konnte dadurch mit einigen schweren Lebenssituationen besser umgehen. Bis ich dann an einem Tag im Januar 2007 mit den Inline-Skates blöd gestürzt bin.
Der behandelnde Orthopäde im Spital riet mir zu einer Implantation einer Hüftprothese. Nach seiner Beurteilung war mein Hüftgelenk stark abgenützt, gebrochen war aber nichts. Kurz danach, am Valentinstag, habe ich ein neues Hüftgelenk «geschenkt» bekommen. Dann folgten Monate voller Schmerzen, viele Medikamenten, einem weiteren Aufenthalt in der Rehaklinik und der Suchen nach Erleichterung. Im April 2008 musste ich eine zusätzliche Operation über mich ergehen lassen. Ein anderer Arzt machte eine Revision der Prothese. Doch ein unerwarteter Befund führte zu Komplikationen und einem nicht geplanten Resultat. Danach konnte ich drei Jahre lang nur noch mit Krücken laufen und war permanent in physiotherapeutischer Behandlung.
Unerklärliche Schmerzen
Es folgten nochmals zwei Aufenthalte in der Rehaklinik. Ich fing immer mehr an mir zu zweifeln. Niemand konnte verstehen, wieso ich solche Schmerzen hatte. Erst später nach einer Beurteilung durch einen neutralen Gutachter und einen weiteren Orthopäden erfuhr ich, was damals während der Operation falsch gelaufen war. Es war ein Schock. Die Konsequenzen sind bis heute für mich fatal. Eine erneute Operation ist nicht mehr möglich ohne das Risiko einer grossen Zerstörung des Hüftgelenks. Zudem kamen die Experten zum Schluss, dass die erste Operation nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, da die Abnützung des Hüftgelenks noch nicht gravierend war. So hatte der Chirurg viel Geld bekommen und ich die Krücken.
In diesen schmerzvollen Jahren wurde ich mit vielen Medikamenten behandelt, von Muskelrelaxanzien und Schmerzmitteln mit zusätzlichem Magenschutz, bis hin zu Morphin, dass ich überhaupt nicht vertragen habe. Die Schmerzen hinderten mich am Schlafen und ich brauchte regelmässig Schlafmittel. Meinem Körper haben all diese Medikamente nicht gutgetan. Ich musste oft erbrechen, hatte Magenkrämpfe, habe viel an Gewicht verloren, aber die Schmerzen sind geblieben. Dann erhielt ich eines Tages einen Joint und die Schmerzen waren für viele Stunden weniger. Was für eine Erleichterung! Ich kannte zwar aus alten Zeiten die rekreative Wirkung dieses Kräutleins, aber da ich früher ja keine Schmerzen hatte, wusste ich nichts über die schmerzlindernde Wirkung.
Cannabis-Öl mit einer Sonderbewilligung von BAG
Ich erzählte es meinem Hausarzt, der mir dann Cannabis-Öl als Medikament verschrieb und auch den Antrag ans BAG stellte. Dieser wurde bewilligt. Nur meine Krankenkasse weigerte sich ein Jahr lang, die Kosten zu übernehmen. Erst nach Einschreiten meines orthopädischen Arztes 2016 bekam ich von der Zusatzversicherung eine Kostengutsprache. Eine höhere Dosis wegen stärkeren Schmerzen im Winter wurde aber nicht bewilligt. Das ist auch nicht verwunderlich. Die legal erhältlichen Cannabis-Medikamente sind im Vergleich zum illegalen Markt extrem überteuert. Das ist für uns Patienten unverständlich.
Das Öl kann nicht alle Schmerzen wegnehmen, aber es lindert sie. Die akuten Schmerzen sind weniger stark und es hilft mir besser damit umzugehen. Ich hatte seit Februar 2007 keinen schmerzfreien Tag mehr, aber mit dem Öl fühle ich mich besser und ich kann wieder lachen. Auch die Verdauung und der Schlaf sind besser geworden. Ich nehme keine Schmerzmittel mehr und zu Schlaftabletten greife ich nur in Ausnahmefällen.
Benötigte Cannabisblüten inzwischen erlaubt
Es gibt aber auch Tage, an denen die Wirkung des Öls zu schwach ist. Dann hilft es mir, wenn ich Cannabisblüten vaporisiere. Bei der Aufnahme über die Lunge hilft es bei akuten Schmerzen besser und schneller. Lange Zeit machte ich mich an diesen Tagen strafbar, weil man die Blüten erst seit wenigen Jahren in der Apotheke beziehen kann.
2024 musste ich an der Hand operiert werden. Da mein Magen die Schmerzmittel nicht vertrug, beantragte mein Hausarzt die Bewilligung für die Blüten. Mit seinem Rezept kann ich die Blüten in der Apotheke beziehen. Seither vaporisiere ich sie legal. Selbst im Spital und der Rehaklinik wurde mir erlaubt, draussen oder im Raucherraum zu vaporisieren. Die Ärzte zeigten sogar ausgesprochen interessiert.
Leider ist nicht klar, wie lange die Krankenkasse die Kosten für die Blüten übernimmt. Ich bin pensioniert und wäre nicht in der Lage, die Blüten selbst zu bezahlen. Die Pflanzen selbst zu ziehen, ist mir ebenfalls unmöglich, weil ich direkt über einer Kindertagesstätte wohne. Es belastet mich, nie zu wissen, wie es weitergeht.
Der MEDCAN-Patiententreff bedeutet mir viel
Seit fast 10 Jahren bekomme ich Cannabis als Medizin und seither bin ich auch Mitglied bei MEDCAN. Es gibt jeden Monat einen Online-Stammtisch. Mir bedeutet der Austausch mit den anderen Patienten viel. Es ist für mich sehr wertvoll und ich bekomme viele nützliche Informationen. Ich bin sehr dankbar, dass es MEDCAN gibt. Vielen Dank denen, die den Verein gegründet haben und denen, die dabei helfen, dass der Verein bekannter wird. Wenn wir zusammenhalten, werden wir eines Tages die Legalisierung von Cannabis als Medikament erreichen. Nur zusammen sind wir stark.